Wanderung zur Verlorenen Stadt

Mein nächstes Ziel an der Karibikküste Kolumbiens war Taganga. Ich bin zwar schon vor ein paar Monaten mit dem Motorrad hier gewesen, hatte aber recht wenig von der Gegend gesehen. Nach einer 6-stündigen Fahrt mit dem Bus kam ich in dem kleinen Örtchen am Meer an und checkte in einem Hostel in der Nähe des Strandes ein. Da ich genau in der Osterwoche hier ankam, war der ganze Ort leider total überfüllt und so beschloss ich dem Ostertourismus der Kolumbianer zu entfliehen und eine Wanderung zur Ciudad Perdida zu machen. Die Ciudad Perdida ( verlorene Stadt ) ist eine der größten präkolumbischen Städte Südamerikas und wurde erst in den 70er Jahren wiederentdeckt.

Wir wurden mit Jeeps in den Dschungel der Sierra Nevada de Santa Marta gefahren, von wo aus die Wanderung begann. Schon bei Anfahrt zogen dichte Regenwolken auf und als wir die Wanderung starteten, begann es leider zu regnen. So wanderten wir den ganzen Tag bei Regen durch den Dschungel. Wir mussten recht viele Höhenmeter über sehr steile Anstiege überwinden. Da ich schon seit langem keinen richtigen Sport mehr gemacht hatte, kam ich ganz schön aus der Puste und war nach kuerzester Zeit wie auch alle anderen komplett durchnässt. Am Abend gab es dann recht gutes Essen und da es hier schon kurz nach 6Uhr dunkel wird, stieg ich schon sehr früh in meine Hängematte. Die Hängematten zur Übernachtung waren dicht an dicht unter einer Art Carport aufgehängen. So richtig bequem schlief ich leider nicht und so startete ich gerädert in den zweiten Tag.

Einfach Flussueberquerung bei der Wanderung zur Ciudad Perdida

Da es die ganze Nacht durch sehr stark geregnet hatte, waren die Flüsse sehr stark angestiegen und daher nicht so einfach zu überqueren. Bei der ersten Flussüberquerung hatte ich noch meine Schuhe ausgezogen, um nicht in nassen Schuhen weiterlaufen zu müssen. Da die Wege aber mittlerweile komplett verschlammt waren, waren meine Schuhe trotz grosser Vorsicht nach kurzer Zeit komplett durchnässt und ich watete –  wie alle anderen auch – durch die hüfttiefen Flüsse in voller Montur. Durch den Dauerregen und die zunehmende Höhe wurde es immer kühler und man musste aufpassen durch die nassen Klamotten nicht total auszukühlen. Die zweite Nacht schliefen wir nicht in Hängematten sondern in „Cabañas“. Es wurden Hochbetten dicht an dicht wieder unter einer Art Carport platziert und mit Moskitonetzen verhangen. Durch die hohe Luftfeuchtigkeit waren die Matratzen leider etwas klamm, was echt unangenehm war. Ich wurde schon vor der Tour von einigen anderen Reisenden gewarnt, dass die unteren Matratzen häufig Bettwanzen haben und so überwand ich meine Angst vor Hochbetten und schlief oben.

Nach einer weiteren Flussüberquerung und einem 1-stündigen Aufstieg über eine steile Steintreppe kamen wir dann in der verlorenen Stadt an. Die Ruinen waren in Nebel gehüllt und die Stimmung war dadurch fast etwas mystisch. Über fast märchenhaft wirkende Treppen kamen wir in die verschiedenen Teile der verlorenen Stadt. Obwohl es so verregnet und neblig war, hat mir der Besuch dieser Stätte sehr gut gefallen! Die Strapazen hatten sich auf jeden Fall gelohnt!

Treppe durch den Maerchenwald zur Lost City

Nach der Besichtigung der Ciudad Perdida traten wir den langen Rückweg an. Auf schmalen Pfaden entlang an tiefen Abhängen und vorbei an winzigen Dörfchen wanderten wir durch den Regenwald. Die dritte Nacht verbrachten wir in der Nähe eines dieser Dörfer und einer der Dorfbewohner erzählte uns einiges über das Leben der Dschungelbewohner. Jede Familie hat hier z.B. 2 Hütten: eine für die weiblichen und eine für die männlichen Familienmitglieder. Die Frauen bekommen im Durchschnitt 8-12 Kinder und werden genauso wie die Männer mit ca 16-18 Jahren verheiratet. Freie Partnerwahl gibt es hier nicht, sondern der Dorfschamane bestimmt wer wen heiratet. Ablehnen darf man seinen vorbestimmten Partner auch nicht, da man annehmen muss, was Mutter Erde für einen bestimmt hat. Auffällig war auch, dass die Frauen so erzogen wurden, dass sie keine Schuhe tragen. Sie sollen dadurch immer mit Mutter Erde verbunden bleiben. Man kann sicherlich darüber streiten, ob die Dschungelbewohner hier glücklicher sind als wir in der „zivilisierten“ Welt, aber ich bin schon sehr froh nicht unter solchen Bedingungen leben zu müssen.

Nach einer kurzen Nacht startete wir die Schlussetappe. Die Pfade waren mittlerweile so aufgeweicht, dass der Schlamm einem fast die Schuhe auszog. Am Nachmittag kamen wir dann wieder am Ausgangspunkt der Tour an und liessen es uns bei leckerem Essen gut gehen. Ich war erstaunt, dass ich im Gegensatz zu fast allen anderen nach der 4-tägigen Wanderung in nassen Schuhen keine Blasen an den Füssen hatte. Obwohl die Tour sehr anstrengend war, hat mir die Wanderung sehr gut gefallen. Ich war aber auch heil froh als sie vorbei war 🙂