Auf der Route des Grandes Alpes nach Monaco

16 Alpenpässe über 684km Strecke mit 15.700 Metern Höhenunterschied – das hörte sich super an! Die offizielle Route des Grandes Alpes durch Frankreich beginnt am Genfer See in Thonon-les-Bains und endet in Menton an der Côte d’Azur.

Wir machten uns also von Sindelfingen an einem langen Wochenende Mitte Mai auf nach Frankreich, um die Tour in 5 Tagen inklusive An- und Abreise zu fahren. Ungeschickterweise hatte ich vorher so gut wie keine Zeit in die Planung gesteckt, denn sonst hätten mir verschiedene Dinge frühzeitig auffallen müssen.

Da dies eine hochalpine Tour ist, kann man die Tour nur von Juni bis Oktober komplett fahren (am besten ab Mitte Juni). Jetzt im Mai waren noch viele Pässe geschlossen, aber es kam noch schlimmer. 🙂  Wir fuhren vom Genfer See bei strömenden Regen los und mit jedem Meter, den wir höher fuhren, wurde es kälter und kälter. Meine Stiefel waren nach kurzer Zeit voller Wasser, was meine  Gesamtkonstitution nicht unbedingt verbesserte. Schon als wir die erste Passhöhe Les Gets anfuhren, kamen uns zwei Motorradfahrer entgegen und gaben uns Handzeichen, dass der Pass nicht befahrbar wäre. Da ich bereits komplett durchgefroren war, beschlossen wir auf der Stelle umzudrehen und die Autobahn Richtung Süden zu nehmen.

Dies war zum einen recht teuer, da Autbahnmaut und Tunnelnutzung mit fast 50 Euro mächtig zu Buche schlugen. Zum anderen war die Autobahnfahrt auch kein großes Vergnügen. Mein Thermometer am Bike zeigte bis -1 Grad an und irgendwann ging ein richtiges Schneegestöber los, so dass Räumfahrzeuge die Autobahn vom Schneematsch befreien mussten.

Alle Stunde hielten wir an einer Raststätte an, um uns mit heißem Kaffee wieder etwas aufzuwärmen. Hier ernteten wir viele mitleidige Blicke. Da wir eine Unterkunft in Guillestre vorgebucht hatten, mussten wir auf den letzen 60 Kilometern einen 1700m hohen Pass überqueren, um ans Tagesziel zu gelangen. Wir waren ständig hin- und hergerissen, ob wir nicht einfach die Reservierung sausen lassen sollten, um uns einfach irgendwo ein Zimmer zu nehmen. Der Schneematsch, die kalten Temperaturen, das Schneegestöber und die beschlagenen Visiere machten die Entscheidung nicht einfacher. Schließlich fuhren wir doch unter Protest meines mitreisenden Kumpels bis nach Guillestre auf der Alpensüdseite und wurden dort mit milden Temperaturen, einer sehr netten Unterkunft und einer schwer verdienten, leckeren Pizza belohnt.

Am nächsten Tag ging es dann weiter auf der Originalroute bis nach Menton ans Mittelmeer. Anfänglich regnete es noch, aber bald schlug das Wetter um und wir konnten die traumhafte Tour genießen. Die Straße war teilweise recht schlecht und einspurig, machte aber dennoch sehr viel Spaß zum Fahren. Außerdem schlängelte sich die Strecke hunderte Kilometer durch traumhafte Landschaft. Es reihte sich eine Kurve an die nächste und am Ende des Tages nach etwa 6 Stunden Kurvenfahren war mir tatsächlich ein wenig schwindelig (das hatte ich noch nie beim Motorradfahren) und die Hände schmerzten vom Kuppeln und Bremsen.

Wir kamen Abends am Mittelmeer in Menton an und machten noch einen kleinen Abstecher nach Monaco. In Monaco liefen gerade die Vorbereitungen für den Grand Prix von Monaco, der am kommenden Wochenende stattfinden soll. Die Strecke in der Metropole wurde bereits mit Leitplanken und Plakaten präpariert und als wir über die gemalten Startpositionen der Rennwagen auf der Hauptstraße fuhren, kam schon ein wenig Formel-1 Feeling auf. Wir besichtigten noch kurz das Casino von Monaco, das tatsächlich schon von außen recht sehenswert ist und vor dem sich eine Menge vermeintlicher Stars und Sternchen tummelten und teure Autos parkten.

Leider hatten wir nicht viel Zeit übrig und so ließen wir den Abend bei einem guten Glas Wein in einem Restaurant am Meer ausklingen.

Am nächsten Morgen sollte es dann weiter nach Como in Italien gehen. Wir hatten eine lange Tour durch die Berge geplant. Jedoch sollte es anders kommen. Das Motorrad meines Kumpels sprang leider nicht mehr an. Anscheinend hatte er das Motorrad am Abend nicht richtig ausgeschaltet oder hier war etwas an seinem Motorrad kaputt. 🙂 Auf jeden Fall war die Batterie komplett entleert. Der BMW Auslandservice half uns recht schnell weiter, aber wir kamen dennoch nicht vor Mittag los. Daher mussten wir leider wieder zum großen Teil Autobahn fahren, um noch rechtzeitig nach Hause zu kommen. Daher mein zweiter Tipp – plant genug Zeit ein! 5 Tage inklusive An-und Abreise aus Deutschland (Sindelfingen) sind definitiv zu wenig. Ich würde eher von einer Woche ausgehen oder noch mehr Zeit einplanen, falls ihr auf der Rückreise noch einige Pässe in den Schweizer Alpen fahren wollt.

Ich fand die Tour im Mai trotz aller Widrigkeiten dennoch sehr schön. Überlege allerdings, die komplette Route später im Jahr, wenn alle Pässe offen sind, noch mal zu fahren.

Falls ihr die Route des Grandes Alpes fahren wollt, kann ich euch die folgenden Informations-Seiten empfehlen:

 

Viel Spaß auf der Tour!