Über Traumpässe durch die Schweiz

Mein Plan für das letzte Wochenende war, acht traumhafte Schweizer Alpenpässe mit dem Motorrad zu überqueren. Allerdings stand die Tour anfänglich unter einem schlechten Stern. Kurz vor Abfahrt prüften wir nochmal wie üblich den Luftdruck unserer Motorräder und tankten voll. Leider versagte in diesem Moment die Motorradbatterie meines Reisebegleiters. Sämtliche Reanimierungsversuche scheiterten und so musste kurzerhand eine neue Batterie besorgt werden. Glücklicherweise hatte der lokale Motorradzubehör-Händler noch eine letzte Batterie auf Lager. Das erste Problem war also gelöst und wir entdeckten sogleich das Zweite. Die Boardsteckdosen an beiden Motorrädern lieferten keinen Strom mehr, so dass wir keine Möglichkeit hatten, die Navigationssysteme aufzuladen. Und nach Murphys Law waren die Navis natürlich auch gerade entladen. Ein wenig genervt beschlossen wir einfach ohne GPS zu fahren und uns auf unseren Orientierungssinn zu verlassen. Dies erwies sich als eine ganz schlechte Idee – nach etwa einer Stunde Fahrt über Landstraße hatte ich es tatsächlich geschafft, wieder in Sindelfingen anzukommen. 🙂 Da es mittlerweile immer später wurde, fuhren wir schließlich über die Autobahn nach Luzern, unserem eigentlichen Startpunkt der Pässetour.

Luzern gefiel mir gleich auf Anhieb. Die Lage am See mit den Bergen im Hintergrund ist einfach gigantisch! Außerdem haben mich die vielen kleinen Restaurants und Cafès mit Möglichkeiten draußen zu sitzen sofort begeistert. Wir checkten in einem Hostel am Stadtrand ein und fuhren zum Abendessen in die Altstadt. Die Schweizer Preise sind für uns Deutsche natürlich heftig, aber dafür war das Essen auch wirklich sehr gut. Leider hatten wir keine Zeit uns die Stadt etwas näher anzuschauen. Daher habe ich beschlossen, irgendwann nochmal nach Luzern zurückzukommen.

Luzern bei  Nacht

Am nächsten Morgen wachten wir bei strömenden Regen auf und befürchteten schon, dass die Pleiten, Pech und Pannen Phase weiter anhält. Mit etwas gedrückter Stimmung fuhren wir also Richtung Klausenpass, dem ersten Alpenpass auf unserer Tour. Durch den Nebel und die nassen Straßen fuhr sich der Pass nicht ganz einfach und leider hatten wir auch keine gute Aussicht, wie man auf dem Bild unten erkennen kann.

Klausenpass im Mai

Auf dem Weg zum zweiten Pass, dem Sustenpass, klarte das Wetter jedoch auf und wir hatten plötzlich blauen Himmel über uns und strahlenden Sonnenschein. Der Sustenpass gilt als einer der schönsten Alpenpässe für Motorradfahrer und dies kann ich nur bestätigen. Er ist technisch nicht sonderlich schwer zu fahren und die Aussicht ist gigantisch! Allerdings sollte man darauf achten, wo man Fotostopps macht. Ich habe an so einer ungeschickten Stelle gehalten, dass ich beim Wenden aus der Haltebucht ein kommendes Auto nicht gesehen habe und ruckartig bremsen musste – mit dem Ergebnis, dass ich mein schönes neues Bike ablegte und sich wie auch immer gleich der ganze Lenker verzogen hat. 🙁

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Mit schiefem Lenker und abgebrochenem Bremshebel ging die Tour nun weiter. Die Fahrt durch die tolle Natur hat jedoch so viel Spaß gemacht, dass mich das Missgeschick nicht groß ärgerte (dies hole ich wahrscheinlich nach, wenn ich die Rechnung von der BMW Werkstatt bekomme 🙂 ). Unser nächster Pass war der Oberalppass, der wirklich schön zu fahren war. Er wurde jedoch von dem darauffolgenden Splügenpass um ein vielfaches übertroffen. Aufgrund der vielen, sehr engen Serpentinen ist der Splügenpass recht anspruchsvoll. Die Straße schlängelte sich durch die alpine Landschaft und je weiter hoch wir kamen, um sehr mehr Schneemassen säumten die Straßenränder. Die Abfahrt Richtung Italien war dann nochmal richtig beeindruckend und auch die Fahrt über den Malojapass nach St. Moritz war ein toller Abschluss des Tages. In St. Moritz übernachteten wir, um am nächsten Tag die Rückreise anzutreten.

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Unseren zweiten und letzten Passtag starteten wir mit dem sehr gut zu fahrenden Berninapass. Da jetzt Ende Mai noch viele Alpenpässe geschlossen waren, mussten wir einen kleinen Umweg über Livigno (Italien) zum Ofenpass nehmen. Dieser Umweg bescherte uns jedoch eine tolle Fahrt über den italienischen Pass „Passo-di-foscagno„, der die beiden Städte Bormio und Livigno verbindet. Von Livigno aus ging es dann weiter über den Ofenpass. Der Ofenpass war auch recht schön, jedoch schon fast ein wenig langweilig im Vergleich zu den vorherigen Pässen. Unser letzter Alpenpass an diesem Wochenende sollte der Flüelapass sein. Die Landschaft am Flüelapass war karg, aber dennoch sehr beeindruckend. Zum Motorrad fahren hat der gute Mix aus engen und langgezogenen Kurven sehr viel Spaß gemacht. Also ein perfekter Abschluss für unsere Pässetour durch die Schweiz.

Füelapass

Vom Flüelapass aus nahmen wir die Autobahn bzw. Schnellstraße zurück in die Heimat und kamen hier im Ländle sehr erschöpft, aber glücklich und zufrieden wieder an. Welcher Pass mir auf der Motorradtour am besten gefallen hat, ist schwer zu sagen. Besondere Highlights waren aber auf jeden Fall der Sustenpass und der Splügenpass.

OLYMPUS DIGITAL CAMERA Splügenpass Sustenpass