Istanbul – die Metropole am Bosporus

Ich wollte dem Alltag ein wenig entfliehen und beschloss daher eine Städtereise für ein langes Wochenende zu machen. Die Auswahl des Reiseziels fiel mir nicht ganz einfach. Schließlich habe ich mich für Istanbul entschieden, da mich die Gegensätze der Stadt sehr reizen. Zum einen ist Istanbul sehr modern und europäisch und auf der anderen Seite doch sehr orientalisch, streng religiös und historisch geprägt.

Istanbul ist am Bosporus gelegen und hat sowohl einen europäischen als auch einen asiatischen Teil. Ursprünglich hieß die Stadt Byzanz und später dann Konstantinopel. Erst 1930 wurde Istanbul zum offiziellen Namen der Stadt. Soweit zur Geschichte.

Ich quartierte mich für 5 Tage in das Levanten Hostel ganz in der Nähe des Taksim-Platzes ein. Die Unterkunft war kein Luxus-Apartment, aber dafür günstig, ruhig und sauber mit nettem Personal – also für Backpacker empfehlenswert.

Da ich erst am späten Nachmittag angekommen bin, machte ich an dem ersten Abend nur einen kleinen Erkundungs-Spaziergang über den Taksimplatz und die angrenzende Istiklal-Straße, die wohl wichtigste Einkaufsstraße Istanbuls. Gleich ins Auge gestochen sind mir hierbei die Unmengen an Dönerbuden in der Stadt. Da soweit ich weiss, der Döner eine deutsche Erfindung aus Berlin ist, habe ich das nicht unbedingt erwartet.

Istanbul

Da mich die Döner-Buden als Vegetarier nicht sonderlich angesprochen hatten, wählte ich eine der vielen Dachterrassen-Bars zum Abendessen aus. Nicht wissend welche Bar gut ist, wählte ich das 7 Kat in Beyoğlu und genoss die tolle Sicht bei Sonnenuntergang über die Stadt. Noch übertroffen wurde der Ausblick von der Terrasse der 5 Kat-Bar, von der man über den Bosporus schauen konnte und von der Seven Hills Terrasse, von der aus man einen 360-Grad-Blick über die gesamte Stadt und alle wichtigen Sehenswürdigkeiten, wie z.B. die Blaue Moschee, hat. Die Bars und Cafés hatten mir so gut gefallen, dass ich wenn immer möglich dort einen türkischen Tee schlürfte. Der türkische Tee ist anfänglich allerdings ein wenig gewöhnungsbedürftig. Am liebsten scheinen die Türken schwarzen Tee zu mögen, der mehr als durchgezogen ist und wahlweise mit Zucker getrunken wird. Für Touristen gab es auch Apfel- oder Orangentee, den ich ziemlich lecker fand, der jedoch von den Einheimischen verschmäht wurde.

Istanbul

Neben den tollen Cafés hat mich auch die Vorstellung der tanzenden Derwische sehr beeindruckt. Derwische sind Anhänger eines islamischen Ordens und einer ihrer charakteristischen Riten sind die kreisenden Bewegungen während der Meditation. Ich war schwer beeindruckt, dass die Derwische bei Ihren Drehungen nicht den Gleichgewichtssinn verloren, zumal sie sich bei der Ausführung mindestens eine halbe Stunde lange um die eigene Achse drehten. Begleitet wurde der meditative Tanz durch islamische Gesänge. Das Ganze wirkte sehr skurril, da hier Islam und Buddhismus sehr eng zusammenkamen.

Tanzende Derwische

Aufgrund der Unmengen an Touristen hatte ich wenig Lust die herkömmlichen Sehenswürdigkeiten der Stadt anzuschauen. Schließlich biss ich doch in den sauren Apfel und kaufte mir einen 3-Tages-Museumspass für die wichtigsten Highlights. Mein erstes Ziel war der Topkapi-Palast, den es sich auch wirklich zu besuchen lohnte. Noch beeindruckender fand ich jedoch die Hagia Sophia mit ihren prachtvollen inneren Dekorationen und die Basilikazisterne mit den über 300 Wassersäulen. Es führte natürlich auch kein Weg an der blauen Moschee vorbei und dem großen Basar, auf dem man alles Mögliche und Unmögliche kaufen konnte.

Um potenziellen Problemen aus dem Weg zu gehen, ist es für Frauen ratsam lange Sachen bzw. ein Tuch bei dem Besuch der Moscheen dabei zu haben. Ansonsten könnte es unter Umständen passieren, dass man keinen Zugang zu den Sehenswürdigkeiten erhält. Es ist allerdings ratsam nicht ausgerechnet ein sogenanntes „Palästinenser-Tuch” (schwarz-weiß kariertes Tuch) zu wählen, wie ich es ausversehen gemacht hatte. Ich wurde mehrmals täglich auf das Tuch angesprochen und irgendwann hat man mir gesteckt, dass das Tuch Zugehörigkeit bzw. Unterstützung von Kurden signalisiert und unter Umständen zu Problemen führen kann. Hier ein Bericht zu dem Thema: Link

Hagia SophiaHagia Sophia

Blick auf die Blaue Morsche von der Seven Hills TerrasseDie Blaue Moschee

Basar in IStanbul

Ich konnte Istanbul bzw. die Türkei natürlich nicht verlassen, ohne die viel angepriesene Fahrt auf dem Bosporus gemacht zu haben. Die Fahrt ist auch ganz nett, aber meiner Meinung nach doch etwas überbewertet. Ein Spaziergang am Ufer des Bosporus bzw. des goldenen Horns fand ich mindestens genauso schön, wenn nicht sogar noch interessanter, da man hierbei dem täglichen Treiben der Stadtbewohner zuschauen konnte. Allerdings sind 2 Stunden Fahrt mit der Fähre auf dem Bosporus für umgerechnet etwa 3,50 Euro etwas relaxter.

Fahrt auf dem Bosporus

An meinem letzten Abend in Istanbul wurden dann Demonstrationen auf dem Taksim-Platz angekündigt. Allerdings hatte die Polizei ab dem Mittag den Platz von allen Seiten abgeriegelt, um die Demos zu verhindern. Da mein Hostel nur ca. 300m vom Taksim-Platz entfernt lag, hatte ich abends so einige Schwierigkeiten wieder ins Hostel zurückzukommen. Ausgehen war also für den Abend erstmal gestrichen – bzw. wir konnten nur in das kleine Restaurant nebenan gehen, was sich jedoch auch als richtig schön erwies. Das Einzige was ein wenig störte, waren die Tränengasschwaden, die gelegentlich vom Taksimplatz rüber wehten 🙂

Nach 5 intensiven Tagen flog ich wieder zufrieden zurück in die Heimat. Ich habe es auf gar keinen Fall bereut, Istanbul als Ziel ausgewählt zu haben. Die Stadt ist sehr abwechslungsreich und hat sehr viel zu bieten. Es wird sicherlich nicht mein letzter Aufenthalt in Istanbul gewesen sein.

 

Reisetipps

  • Beste Reisezeit: Frühjahr und Herbst sind die besten Reisezeiten. Im Sommer ist es einfach zu warm und im Winter ungemütlich kalt
  • Visa: Als Deutscher wird für einen Zeitraum bis zu  90 Tagen kein Visum verlangt
  • Währung: Türkische Lira, aber es werden vielerorts auch Euros akzeptiert. Das Restgeld bekommt man dann in lokaler Währung
  • Reisen als Frau alleine: gar kein Problem. Man wird zwar häufig angesprochen, aber meist auf eine nette Art. Wichtig ist ein Tuch für Schultern und Haare dabei zu haben, um in die Moscheen zu kommen.